Montag, 27.04.2026 14:54 Uhr

Warum die Hannovermesse nie mehr sein wird wie es mal war

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Hannover, 27.04.2026, 01:51 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Wirtschaft und Finanzen +++ Bericht 638x gelesen
Großandrang auf einer Messe
Großandrang auf einer Messe  Bild: wal172619 / Pixabay.de

Hannover [ENA] Das ist das erste Mal in der Geschichte meiner Messeberichte, das ich einen Bericht mit Negativvorausschau über eine Messe mache und diese auch gar nicht besucht habe. Nanu, fragen jetzt welche, wie kann das gehen – weiterlesen, dann erfahren sie es.

Ich bin ja zugegeben ein Journalist der älteren Art. Zu meinen Glanzzeiten gab es noch neben der Hannovermesse eine CeBit und eine CeBit Home Messe, mal getrennt, mal zusammen, in besten Zeiten 3 Termine im Jahr in Hannover, zu allen 3 Messeterminen so gute wie alle Hallen belegt und extreme Besucherzahlen. So viele, insbesondere bei der CeBit Home, das erst die Preise, dann das Besuchsalter heraufgesetzt wurde, später wurde die CeBit Home, die nur zweimal stattfand, sozusagen in die CeBit integriert. Was sich nochmals mit Auswirkungen auf die Preisgestaltung der Tickets ausgewirkt hat.

Doch dann kam auch das Aus für die einst weltweit größte IT Messe in Hannover: Aufgrund stark gesunkener Beuscher- und Ausstellerzahlen war die letzte CeBit im Juni 2018. Die bereits für 2019 angekündigte Veranstaltung fand nicht mehr statt. Damals behauptete die Messeleitung, die CeBit Themen werden in die Hannovermesse integriert, aber wer heute die Hannovermesse besucht, findet eine Wirtschaftsmesse vor, in der IT wegen KI noch einen Platz hat, aber Bereiche wie Grafikkarten, Mäuse, Mauspads, Drucker usw. so gute wie keinen Platz mehr haben.

Wir springen in das Jahr 2026. Auch dieses Jahr wie gewohnt die Hannovermesse, eigentlich ein Besuch wie immer, seit ca. 35 Jahren habe ich in Hannover jedes Jahr regelmäßig die Messen besucht. Und da ich noch einer der alten Pressesorte bin, will ich kein Wallet mit irgendwelchen Hallenplänen auf dem Handy, sondern die Hallen und Stände, die ich gezielt besuche, ausgedruckt auf Papier. Dazu gehört die Hallenübersicht und die einzelnen Hallen, die ich besuche. Und da fällt mir etwas auf: Die kleinste Hannovermesse ever dieses Jahr. Denn auf dem Plan fehlen die großen Hallen 2 – 9. Alle leer, nicht belegt. Fast das halbe Messegelände nicht belegt. Das gab es nie: 11 Hallen belegt, 2025 waren es noch 15 Hallen, 2024 16 Hallen.

Für mich auffällig: Noch nicht einmal bei Wikipedia gibt es eine saubere Aufstellung der Entwicklung der Hallen, Besucher und Aussteller. Aber ich hab im großen www einige Daten zusammengesucht: Die Hannovermesse hatte 2019 6500 Aussteller, nach der Coronazeit war die Ausstellerzahl 2024 bei 4000, angeblich 2025 leicht darüber, es gibt aber keine genaue Zahl, jetzt 2026 ist sie dramatisch unter 3000 gesunken, sie soll bei 2907 liegen. Genauso ist es mit den Besucherzahlen: Während 2015 und 2017 noch aus heutiger Sicht Traumzahlen von 225.000 bzw. 217.000 Personen vermeldet werden konnten, ging die Zahl 2023 und 2024 auf rund 130.000 zurück, 2025 dann noch 123.000, zuletzt 2026 eben noch 110.000 Besucher.

Und Besucher, das heisst nicht zahlende Messebesucher, angesichts der Tausenden von Freitickets, die von Firmen jedes Jahr auf den Markt geworfen werden, noch eine geschönte Zahl. Jetzt komme ich zur Messeleitung, zum Vorstand der Messe. Aus gutem Grund. Dr. Jochen Köckler leitet die Deutsche Messe AG, der Veranstalter der Hannovermesse, seit 2017 als Vorstandsvorsitzender. Ab Mai 2026, also in Kürze, soll Dr. Holger Feist als neues Vorstandsmitglied Finanzen dazukommen. Der aktuelle Vorstand verantwortet die strategische Ausrichtung der Messe im Kontext von KI und industrieller Transformation.

Aber meine Frage wäre, was ein Vorstand, ein Veranstalter, der jedes Jahr seit so 2022 mit sinkenden Zahlen in allen 3 wichtigen Bereichen hat, um die Messe zu stabilisieren ? Ich meine da sitzen doch ein riesiges Team an Analysten. Und die nehmen wie der Vorstand auch am täglichen Leben teil, bekommen mit, was Spitzenpolitiker hier in Deutschland verzapfen, welche Auswirkungen, die wir jetzt mit dem massiven Untergang der deutschen Wirtschaft beobachten, das hat: Wirtschaft, langjährige, jahrzehntelange Traditionsbetriebe gehen pleite, Großbetriebe wandern ab, bauen Stellen ab, kommen mit den neuen Energien nicht zurecht ganz abgesehen von den exorbitanten Preisen.

Die Lieferkettenpreise steigen, nicht zuletzt wegen der extremen Tankpreisen uvm. Habeck und Baerback haben das damals angekündigt aufgrund der Klimawandel- und Kriegspolitik mit der Ukraine, die Worte von Baerbock waren schon 2022 klar: Das wird die deutsche Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen, das nehmen wir in Kauf. Bitte, da habt ihr die Quittung, und das läßt die Messe mit sich machen. Es gibt 2 Zukunftsmöglichkeiten der Hannover Messe: Entweder wird diese nächstes Jahr nicht mehr stattfinden oder in 2 Jahren wird die Hannover Messe zur europaweit größten Rüstungs- / Waffen- und Kriegsmaterialmesse.

Weil ja die Bundesregierung großen Betrieben, denen Pleite droht, Rüstungsproduktionsaufgaben für die Ukraine übertragen. Das aber die Messeleitung weder auf der Eröffnungsfeier noch beim Rundgang mit Merz und Reiche bei deren Reden mal klare Kritik in die Richtung verlauten läßt, die dafür massiv mitverantwortlich sind, gerade in aktueller Zeit, das die Wirtschaft immer weiter den Bach runtergeht, das verstehe ich nicht. Und jetzt wissen alle, warum ich die Messe nicht besucht habe, Friede Freude Eierkuchen und hinter den Kulissen gehen alle Pfeile nach unten. Die Messe ist wie die Titanic:

Galt mal als unsinkbar, sie hält sich noch über Wasser aber das Ende kommt unweigerlich. Oder, liebe Deutsche Messe AG, hat Merz schon eine Milliardenunterstützung angekündigt, damit sich die Messe modernisieren und erneuern kann ? Nicht ? Das ist schade, sie sollten einen ukrainischen Teilhaber einstellen, dann ist das ein Automatismus. Ach übrigens, weil ja alles so toll ist wie ein anderer Schreiberling hier schreibt hat die Messeleitung für nächstes Jahr schon angekündigt: 1 Tag weniger Messezeit und weniger Hallen. Weil ja demnächst KI, Robotertechnik und die Digitalität in Deutschland den Durchbruch erzielen. Ein Schmarren ohne Ende.

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