Sonntag, 27.09.2026 23:21 Uhr

Historische Mobilität zwischen Kulturgut, Dokumentation

Verantwortlicher Autor: Filmteam goldecken.tv R. Majchrzak Dortmund Westfalenhalle, 27.09.2026, 17:11 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Auto und Motorsport +++ Bericht 474x gelesen
FIVA feiert 60. auf der Techno Classica Dortmund
FIVA feiert 60. auf der Techno Classica Dortmund  Bild: Filmteam goldecken.tv R. Majchrzak

Dortmund Westfalenhalle [ENA] ADAC und FIVA diskutieren auf der Techno Classica Dortmund über FIVA Identity Card, Umweltzonen und alternative Kraftstoffe. Dortmund, 25. September 2026. Auf dem gemeinsamen Stand von ADAC und FIVA stand bei einer öffentlichen Gesprächsrunde die Zukunft historischer Fahrzeuge im Mittelpunkt.

Vertreter von Verbänden, Clubs und Fachorganisationen diskutierten mit Besuchern über den Nutzen der FIVA Identity Card, den Umgang mit Umweltzonen, die politische Interessenvertretung sowie die Rolle von E-Fuels und HVO. Moderiert wurde die Runde von Johannes Hübner. Die Veranstaltung verband fachliche Informationen mit Fragen aus dem Publikum. Zugleich wurde die Premiere der Techno Classica in Dortmund als offener „Salon der klassischen Mobilität“ gewürdigt.

Dokumentation als Schlüssel zum Erhalt. Ein Schwerpunkt war die FIVA Identity Card. Sie dokumentiert Identität, Historie und technische Merkmale eines historischen Fahrzeugs. Nach Darstellung der Fachleute liegt ihr Wert nicht allein in der Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen: Sie hilft Eigentümern, sich systematisch mit der Geschichte ihres Fahrzeugs zu beschäftigen, und bewahrt Angaben langfristig für kommende Generationen. Martin Stromberg verwies auf fehlerhafte Fahrzeugpapiere und Verwechslungen bei Fahrgestellnummern. Gerade im digitalen Zeitalter seien belastbare Unterlagen entscheidend. Die Gesprächsteilnehmer empfahlen deshalb, originale und digitale Nachweise sorgfältig zu sichern.

Umweltzonen bleiben eine europäische Herausforderung. Die unterschiedlichen Vorschriften europäischer Städte und Regionen sorgen weiterhin für Unsicherheit. Johann König erinnerte daran, dass in Deutschland Ausnahmen für Fahrzeuge mit H- oder rotem 07-Kennzeichen erreicht wurden. In anderen Ländern gelten jedoch jeweils eigene Bestimmungen. Als Beispiel nannte er die Lombardei, wo eine FIVA Identity Card unter bestimmten Voraussetzungen einen konkreten Nutzen beim Zugang zu Umweltzonen bieten könne. ADAC und FIVA begleiten das Thema nach eigenen Angaben politisch und fachlich. Für Reisende wurde empfohlen, sich vor Fahrtantritt über die aktuell geltenden örtlichen Regeln zu informieren.

Oldtimer als mobiles Kulturgut: Mehrere Sprecher betonten die geringe jährliche Fahrleistung historischer Fahrzeuge und ihre kulturelle Bedeutung. Ziel der Interessenvertretung müsse eine verständliche, möglichst einheitliche Ausnahme historischer Fahrzeuge von pauschalen Restriktionen sein. Johannes Hübner warnte vor kleinteiligen Sonderregelungen für einzelne Modelle; wirksame Lobbyarbeit müsse das gesamte Thema historische Mobilität vertreten.

E-Fuels und HVO als ergänzende Perspektiven: Aus dem Publikum kam die Frage, ob klimafreundlichere Kraftstoffe historische Fahrzeuge regulatorisch und steuerlich besserstellen könnten. Johann König erklärte, der ADAC unterstütze einen technologieoffenen Ansatz und erprobe E-Fuels bereits im eigenen Oldtimer-Fuhrpark. Derzeit stünden einer breiten Nutzung allerdings hohe Preise und fehlende Rahmenbedingungen entgegen. Für geeignete Dieselfahrzeuge wurde HVO als bereits verfügbare Alternative angesprochen.

Johannes Hübner und Jochen Thomann – Wozu dient die FIVA Identity Card? Johannes Hübner: Warum braucht ein Besitzer eine FIVA Identity Card, und wobei hilft sie besonders? Jochen Thomann: Entscheidend ist die Beschäftigung mit der eigenen Fahrzeuggeschichte. Antragsteller erfahren oft erst während der Dokumentation, was ihr Fahrzeug tatsächlich auszeichnet. Zugleich bleiben die Daten als Nachweis für die Zukunft erhalten.

Stefan Kronewald und Jochen Thomann – Moderne Klassiker Stefan Kronewald: Welchen Mehrwert hat die Karte bei jüngeren historischen Fahrzeugen, und wird der Nachweis der Authentizität komplizierter? Jochen Thomann: Die frühere wertende Klassifizierung wurde abgeschafft. Bei jüngeren Fahrzeugen ist die Herstellerdokumentation häufig gut, sodass die Identitätsprüfung nicht grundsätzlich schwieriger sein muss als bei Vorkriegsfahrzeugen.

Martin Stromberg – Verlässliche Fahrzeugdaten Martin Stromberg: Die Dokumentation eines historischen Fahrzeugs wird immer wichtiger. Fehler in Papieren oder bei Fahrgestellnummern können die genaue Ausführung und damit die Einordnung eines Fahrzeugs erheblich verändern. Digitale Daten allein bieten keine dauerhafte Sicherheit. Johannes Hübner und Johann König – Regeln in Umweltzonen Johannes Hübner: Wie können sich Oldtimerfahrer über die zahlreichen Umweltzonen und Ausnahmen informieren?

Johann König: Die Rechtslage ist dynamisch und national beziehungsweise regional unterschiedlich. Deshalb sollten aktuelle Informationsangebote vor jeder Reise geprüft werden. ADAC und FIVA bringen die Belange historischer Fahrzeuge in die politische Diskussion ein. Johannes Hübner und Andre Fels – Bewusstsein in den Clubs Johannes Hübner: Welche Bedeutung hat die FIVA Identity Card für die Mitglieder des British Car Club Germany? Andre Fels: Das Interesse ist bislang unterschiedlich ausgeprägt. Durch die Ausbildung zum FIVA-Prüfer soll die Bedeutung der Karte künftig stärker im Club vermittelt werden.

Reinhard Majchrzak und Johann König – E-Fuels und steuerliche Anreize Reinhard Majchrzak: Könnten E-Fuels dazu beitragen, historische Fahrzeuge umweltverträglicher zu betreiben, und wären dafür steuerliche Anreize denkbar? Johann König: E-Fuels sind eine Zukunftsoption, werden bereits praktisch erprobt und könnten zum Erhalt des Verbrennungsmotors als Teil des Kulturguts beitragen. Für eine breite Anwendung müssten jedoch Produktion, Preis und regulatorische Bedingungen verbessert

Janko Uratnik – Lernen aus der Veranstaltungspraxis Janko Uratnik: Die Schulung der FIVA-Stewards verbindet Regeln und Dokumente mit Erfahrungen aus realen Veranstaltungen. Neue Stewards beginnen als Beobachter, denn jedes Event bringt besondere Situationen und neue Erkenntnisse mit sich. Fazit: Die Gesprächsrunde machte deutlich, dass die Zukunft historischer Mobilität nicht allein von Technik und Kraftstoffen abhängt. Ebenso wichtig sind verlässliche Dokumentation, frühzeitige politische Interessenvertretung und verständliche Informationen für Besitzer und Veranstalter.

Die FIVA Identity Card wurde dabei als Instrument hervorgehoben, das Fahrzeuggeschichte bewahrt und in einzelnen Regelungsbereichen einen praktischen Vorteil bieten kann. Mit dem Leitgedanken „Protect, Preserve and Promote“ wollen FIVA, ADAC und die beteiligten Clubs historische Fahrzeuge als mobiles Kulturgut schützen, erhalten und öffentlich sichtbar machen. Die offene Standgestaltung der Techno Classica Dortmund bot dafür einen passenden Rahmen und förderte den direkten Austausch zwischen Fachleuten, Clubs und Publikum. Text: Reinhard Majchrzak | Filmteam goldecken.tv Quelle: Interview und Aufzeichnung auf der Techno-Classica Dortmund, 25.09.2026 Youtube: https://youtu.be/h5KR7Lmyf1A

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.