Mittwoch, 13.12.2017 13:43 Uhr

Hotelbewertungen online

Verantwortlicher Autor: Raimund Förg Graben - Neudorf, 05.12.2017, 13:03 Uhr
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Graben - Neudorf [ENA] Hotelbewertungen sind out, es lebe die persönliche Empfehlung. Vor sieben Jahren platze die Bombe: Ein Hotelier bekannte sich zu massiven Manipulationen bei Hotelbewertungen und führt vor Augen, wie einfach und systematisch Gästemeinungen gefälscht wurden. Der Bericht dieses Online-Magazins schlug Wellen: Empörung in der Hotellerie sowie zahlreiche weitere Enthüllungsberichte im TV und namhaften Printmedien folgten.

Heute, sieben Jahre später - in der Digitalisierung sind das gefühlt wie zwei Jahrzehnte - sind Hotelbewertungen sturmreif geschossen. Neueste Offenbarung: Eine positive Rezension eines fiktives Gastes kostet gerade mal 12,95 Euro bei einer Webagentur, enthüllte der „Tagesspiegel“. Das Renommee ist dahin. Längst wird unter Beobachter diskutiert, was die leicht zu fälschende Bewertung ersetzen kann. Die unterschiedlichen Systeme von Holidaycheck, TripAdvisor und OTA sind nach Maßstäben erfahrenen Profi-Hoteltester schwach und anfällig für kaum nachvollziehbare Duchschnittsnoten.

Da werden Nichtigkeiten und Details zu schwer gewichtet und damit die Gesamtnote verfälscht. Und: Solange Hotelbewertungen sofort und anonymisiert abgegeben werden können, ist Missbrauch allzu einfach. Dem Recht der Meinungsfreiheit steht die Sorgfaltspflicht gegenüber. Seitdem Portale wie holidaycheck.de sich endlich selbst als Buchungsportal - und nicht mehr als Bewertungsportal mit Buchungsfunktion - positionieren, stellt sich die Gretchenfrage, ob man bei einem E-Commerce-Partner zwangsgelistet sein muss?

Die Anzeichen, dass die erste Blütezeit der Hotelbewertungen ein Ende erreichen könnte, geht noch weiter. Wenn selbst Azubis kritisch fragen, warum sein neuer Arbeitgeber denn so stark auf Hotelbewertungen setze, zeigt dies eines: Die Glaubwürdigkeit ist stark beeinträchtigt. Zuletzt sorgte die Hamburger Hotelchefin Madeleine Marx für Aufsehen: Einen Erpressungsversuch zweier Gäste mit de schlechten Bewertungen Upgrades zu erreichen, machte sie gekonnt öffentlich. Spätestens seitdem sind die Zweifel am System der Gästebewertungen alltäglich geworden.

Die Zukunft des Empfehlungsbusiness ist bereits eingeläutet. Facebook fragt automatisch, ob man ein Etablissement seinen Freunden-Followern weiterempfehlen könne, kurz, lapidar oder Sterne, Sonnen und undurchsichtigen Kriterienkatalogen. „Empfehlen Sie uns weiter“, gewinnt als Altslogan eine neue Bedeutung. Die Social-Media-Team der Hoteliers reagieren bereits darauf, schließlich ist der Kritiker in der Regel sofort zu identifizieren. Doch vermutlich wird es nicht lange dauern, bis auch diese Art der Empfehlungen durch Fakeprofile von käuflichen Webpiraten ad absurdum getrieben wird.

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